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Frauenleiche in Kanal: Freigesprochener Ehemann nun doch verurteilt

09. November 2018 15:30

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    Ein Bild aus einer früheren Verhandlung: Der Angeklagte aus Oer-Erkenschwick verdeckte beim Prozess in Bochum sein Gesicht.

Bochum Im ersten Prozess sprachen ihn die Richter noch frei: Mehr als drei Jahre nach dem Fund einer Frauenleiche im Dortmund-Ems-Kanal bei Waltrop ist der Ehemann der Getöteten zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Nach der Entscheidung des Bochumer Schwurgerichts vom Freitag muss der 44-Jährige wegen Totschlags für neun Jahre und drei Monate ins Gefängnis.

In dem ersten Prozess war der Lastwagenfahrer aus Oer-Erkenschwick aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Nach erfolgreicher Revision der Staatsanwaltschaft legte der Türke dann aber im zweiten Verfahren vor einer anderen Schwurgerichtskammer ein Geständnis ab.

Demnach hatte sich der Mann am Tatabend im Juni 2015 mit seiner Ehefrau heftig gestritten. Angeblich war die 25-Jährige wütend, weil er zu seiner Geliebten fahren wollte, und drohte deshalb, ihn zu verlassen. Dabei soll die Frau gesagt haben, sie nehme die gemeinsame Tochter mit, die er nie mehr wiedersehen würde. Der 44-Jährige gab an, in dem Moment durchgedreht zu sein und den Kopf seiner Frau rund 15 Minuten lang in ein Sofakissen gepresst zu haben. Die Leiche habe er später in den Dortmund-Ems-Kanal geworfen.

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Während des ersten Prozesses hatten die damals zuständigen Richter den Angeklagten aus der Untersuchungshaft entlassen. Noch vor Beginn der Neuauflage erließ das Landgericht dann wieder Haftbefehl. "Die Chancen auf einen erneuten Freispruch standen bei uns von Anfang an sehr schlecht", sagte der Vorsitzende Richter Johannes Kirfel in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte habe daher das einzig Richtige gemacht und ein Geständnis abgelegt. "Ansonsten wäre die Strafe mit Sicherheit zweistellig ausgefallen." Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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