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Charlie Puth mit "Voicenotes": Mit verkleidetem Jazz zum Erfolg

Steffen Rüth 14. August 2018 11:48

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    Charlie Puth wurde mit „See You Again“ bekannt. Nun macht er Pop, der nach Jazz klingen soll.

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    Charlie Puths Album "Voicenotes".

Er hat alles selbst geschrieben und produziert. Mit seinem zweiten, stark am R’n’B und Pop der frühen Neunziger orientierten, Album „Voicenotes“ will Charlie Puth (26) der Welt beweisen, dass er mehr ist als nur der Sänger von „See You Again“.

Charlie Puth hat diesen kleinen Tick. Man unterhält sich ein paar Minuten mit ihm, kommt auf irgendein Lied zu sprechen, und schon singt er los. Oder er macht mit dem Mund ein Instrument nach, der Junge ist also eine lebendige Musikbox oder, zeitgemäßer ausgedrückt, ein Spotify auf zwei Beinen.

Auf seinem neuen Album „Voicenotes“ hat er sich ein sattes Stück in Richtung Erwachsenenpop bewegt. „Ich bin der Ansicht, dass ich auf diesem Album Jazz mache, allerdings verkleidet als Popmusik“, sagt er, nachdem er ohne Vorwarnung mal kurz den Refrain seiner aktuellen Single „Done For Me“, einem coolen Herzschmerzduett mit R’n’B-Newcomerin Kehlani, angestimmt hat. Dem Jazz galt die erste Liebe des Jungen aus wohlhabendem New-Jersey-Hause. Bis 2013 studiert Charlie Jazz am bekannten „Berklee College of Music“ in Boston. Er zieht danach nach Los Angeles, schreibt ein paar Hits für andere, darunter „See You Again“ für Wiz Khalifa, auf dem er zum ersten Mal selbst zu hören ist.

„Ich wusste, dass ich deutlich mehr kann“

Die hochdramatische Ballade aus dem Film „Fast & Furious 7“ gerät zu einem der größten Hits der vergangenen zehn Jahre und erschüttert Charlies Leben. Schnell stampft er ein Album aus dem Boden, das zwar weitere Erfolge wie „We Don’t Talk Anymore“ (feat. Selena Gomez) abwirft, ihm selbst – und den allermeisten Kritikern – aber nicht gefiel. „Ich wusste, dass ich deutlich mehr kann“, sagt Charlie. Und er hat recht. Für „Voicenotes“ nahm er, egal, ob im Bett, im Flugzeug oder im japanischen Schnellzug, wo die Grundmelodie zur Erfolgssingle „Attention“ entstand, Hunderte von Songideen auf. Um diese spannte er anschließend im Heimstudio in anderthalbjähriger Feinarbeit einen roten Soundfaden. „Ich habe so getan, als sei ich Quincy Jones.“ Der legendäre Produzent von Michael Jacksons „Thriller“ folgt Charlie übrigens neuerdings auf Twitter, „was mich total stolz macht.“

In außerordentlicher Konsequenz hat sich der 26-Jährige den R’n’B-Sound der späten 80er, frühen 90er ausgeguckt. Man fühlt sich zurückerinnert an Bobby Brown, Janet Jackson und Boys II Men, die dann passenderweise auch gleich zum Duett parat stehen in „If You Leave Me Now“. Dass Charlie Puth den gleichnamigen Song der Softrockband Chicago auch noch mit der Zeile „You will take the bigger part of me“ huldigt, ist fast schon zu viel der Nostalgie. Inhaltlich wiederum bleibt das Multitalent ganz in der Gegenwart. Charlie thematisiert vorwiegend das ungewohnte Berühmtsein und seinen Umgang damit.
Trotzdem: Etwas weniger Referenzen und etwas mehr Charlie hätten „Voicenotes“ ganz gutgetan.

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