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Chris in Australien: Arbeiten, wo andere urlauben

Chris Riedel 23. November 2018 13:28

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    Selfie mit viel Muh: Eigentlich ist Chris ganz glücklich auf dem Land. Nur nachts ist es so still, dass es fast unheimlich ist. Ans Landleben versucht sich der Hertener zu gewöhnen.

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    Chris hilft ab und zu im Bed-and-Breakfast-Unternehmen „Maddies of Bollwara“ in der Küche aus.

Teil 4 Unerwarteter- und unerfreulicherweise gestaltet sich die Jobsuche hier in Newcastle doch etwas schwieriger, als ich es erwartet habe. Vor Kurzem bin ich mit meinem Auto namens „Gooney“ aus Sydney in Richtung Newcastle aufgebrochen. Müde vom Massentrubel der Großstadt habe ich mir hier erhofft, ein bisschen länger Fuß fassen zu können. Nach einer Woche der ergebnislosen Jobsuche gebe ich jedoch fürs Erste auf.

Aber selbstverständlich bin ich nicht ganz alternativlos. Die Lösung heißt „WWOOF“. Was zunächst wie eine schlimme Krankheit klingt, bedeutet in Wirklichkeit „World-Wide Opportunities on Organic Farms“. Dahinter steht ein meiner Meinung nach recht geniales Konzept. Man meldet sich online auf „WWOOF“ an und kann nach Hosts suchen und bei ihnen beispielsweise auf einer Öko-Farm arbeiten.

Als WWOOFer arbeitet man dann drei bis vier Stunden täglich und bekommt dafür die Unterkunft und Verpflegung von der Gastfamilie. Man hat also die Möglichkeit, als freiwilliger Arbeiter auf einer Farm zu arbeiten und erhält auch gleichzeitig einen authentischen Einblick in das Familienleben und die australische Kultur.

Nach ein paar Tagen habe ich auch tatsächlich einen passenden Host gefunden. Justin Holland lebt mit seiner Frau in Bollwara, einem kleinen Dorf in der Nähe von Maitland im Hunter Valley. Die beiden haben gleich drei Stücke Land, wo sie leben. Sie betreiben ein Bed-and-Breakfast-Unternehmen und haben Pferde und Kühe.
Nach kurzer Online-Korrespondenz und einem Telefonat mit den beiden steht es dann fest: Ich kann als WWOOFer bei ihnen starten.

Glücklich, etwas gefunden zu haben, fahre ich nach Bollwara, was von Newcastle eine Stunde Autofahrt entfernt liegt. Die mir genannte Adresse ist das B & B mit dem Namen „Maddies of Bollwara“. Als ich ankomme, treffe ich zunächst auf Justins Frau Allison und gleich darauf stoßen auch Justin und Sohn Oliver dazu. Beim Abendessen besprechen wir dann gemeinsam, wie es nun weitergehen soll.

Nicht damit gerechnet, dass sich jemand meldet

Lustigerweise bin ich der erste WWOOFer, den die Familie aufnimmt. Justin hatte erst vor Kurzem sein Profil online gestellt und war ganz erstaunt, dass sich so schnell jemand gemeldet hat. Zudem stellen wir fest: Das ganze WWOOFing-Konzept ist uns allen neu – und Justin und Allison entschuldigen sich sofort für etwaige Schwierigkeiten, die auftreten könnten. Mein erster Eindruck von der Familie ist aber so gut, dass ich nicht glaube, dass es überhaupt zu Problemen zwischen uns kommen wird.

Nur eine Kleinigkeit kam für mich etwas unerwartet. Die Familie hat in diesem Jahr nichts in ihrem Garten angepflanzt. Ein bisschen kontrovers – wenn man bedenkt, wofür WWOOF steht, aber dafür verständigen wir uns auf andere Aufgaben, die ich auch dankend annehme. Auf dem Grundstück von „Maddies“ befinden sich ein riesiger Garten und ein Pavillon, den man für Hochzeiten und andere Feierlichkeiten buchen kann. Meine Aufgabe wird es sein, den Garten mit Oma Trish in Schuss zu halten.

Zusätzlich helfe ich Allison in der Küche und ab und zu kellnere ich bei größeren Veranstaltungen. Währenddessen wohne ich bei „Maddies“. Während die Familie ihr eigenes Haus ein paar Meter weiter hat, habe ich vorerst das ganze B&B für mich alleine. Zwar habe ich viel Privatsphäre, aber es ist auch etwas einsam und in der Nacht ein wenig unheimlich. Aber ich will mich erst mal nicht beklagen, denn es ist wirklich ein Sechser im Lotto, dass ich bei dieser Familie gelandet bin.

Noch ist unklar, wie lange ich genau bleiben werde. Aber vorerst steht mir eine wunderbare Zeit bevor. Justin, Allison und Oliver könnten meine zweite Familie werden.
Chris Riedel (25, Herten) kennen vielleicht noch einige von früher. Vor zwei Jahren berichtete er bei uns von seinem viermonatigen Aufenthalt in Neuseeland. Nun geht’s länger am Stück weg: Ein Jahr will Chris als Work-and-Traveller durch Australien reisen. Bei Scenario erzählt er jetzt also von seinen Erlebnissen auf dem roten Kontinent.

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