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Jan-Henrik in Thailand: Ankommen im zweiten Zuhause

Jan-Henrik Seifert 27. November 2017 11:25

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    Mit Krit (r.) hat sich Jan-Henrik sofort gut verstanden – das liegt natürlich auch daran, dass der Recklinghäuser mittlerweile gut Thai sprechen kann.

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    Nach ihrer Landung in Bangkok stürmen Jan-Henrik (v.l.), Kwan und Pui einen Handyladen, um erreichbar zu sein.

Teil 3 Erinnert Ihr Euch an den chaotischen Abflug aus Düsseldorf? Mit meiner Freundin Kwan habe ich es in den Flieger nach Bangkok geschafft, allerdings ohne meinen Mitstreiter Tobi, der sich mit den Abflugzeiten vertan hat.

Als wir aus dem Flugzeug steigen, ist Kwan hibbelig, sie war zuletzt vor fünf Jahren in Thailand und möchte jetzt endlich zu ihrer Familie. Ihre Cousine möchte uns abholen und beherbergen. Ich bin auch nervös und schaue auf mein Handy. Keine Nachricht von Tobi.

Wir verlassen das Flughafengebäude und mich trifft die feuchtwarme Hitze wie ein nasser Waschlappen. Die Kleidung klebt am Körper. Es gibt Angenehmeres, aber nach ein paar Tagen gewöhnt man sich ja daran. Ich schaue mich um und frage mich, wer von diesen vielen Menschen wohl Pui ist. Kwan ist ein einziger Flummi. Sie hüpft hoch, schaut, sucht, fixiert und kreischt. Aha, ein sicheres Indiz der Cousinenfindung. Sie winkt heftig und ruft – auf Thai. Puis Stimme dringt ähnlich hoch zu uns durch und Sekunden später liegen sich die beiden Frauen in den Armen. Nach einem sehr schnellen thailändischen Wortwechsel wenden sie sich dann auch mir zu. Kwan stellt mich vor und die Chemie passt auf Anhieb.

Pui schaut etwas verwirrt und versucht hinter mich zu blicken: „Sollte da nicht noch ein Student mitkommen?“ Wir erklären ihr kurz das Dilemma mit Tobis Falschbuchung und dass er hoffentlich bald nachkommen wird.
Pui ist praktisch veranlagt und schleppt uns sofort in den nächsten Handyladen, damit wir dort eine Handykarte kaufen und für Tobi erreichbar sind. Schnell haben wir für uns den passenden Tarif gefunden und so können wir unsere Smartphones wie gewohnt nutzen. Anschließend verstauen wir das Gepäck in Puis Auto und fahren zu ihr in die Wohnung,

Wohnen auf elf Quadratmetern

Die Wohnung ist, aus unserer europäischen Sicht der Dinge, winzig. Ein Wohnraum – vielleicht elf Quadratmeter, ein Balkon, ein kleines Bad – das war es. Auf dem Boden liegen zusammengerollte Decken. Sie dienen jetzt als Sitzgelegenheit – heute Abend sind dies unsere Betten. Wir werden alle in diesem Raum schlafen. Pui lächelt, verneigt sich und heißt uns herzlich willkommen. Wir sind vom Flug und von den ersten Eindrücken müde und zeitgleich auch froh und dankbar für so eine liebe Gastfreundschaft. Pui macht Tee und reicht uns eine Kleinigkeit zu essen. Beides tut gut und der kühle Fliesenboden ist in dieser Hitze ein Geschenk. Pui arbeitet in Bangkok als Krankenschwester, ihr Ehemann wohnt und arbeitet in einer anderen Stadt. Heute wird er jedoch nach Bangkok kommen, um Kwan zu begrüßen und um mit uns zu essen.

Mein Handy brummt. Es ist Tobi. „Bin unterwegs – Flug Berlin – Zwischenlandung Moskau – morgen früh dann Bangkok.“ Ich freue mich riesig. Es hat also doch noch mit einem halbwegs bezahlbaren Flug geklappt. „Wann genau kommt er denn? Welcher Flughafen?“, fragt Kwan. „Keine Ahnung, hat er nicht geschrieben. Ich frage ihn mal schnell per WhatsApp.“ Gesagt, getan, aber Tobi ist schon nicht mehr online. Super, Kwans Cousine hatte sich heute freigenommen. In drei Tagen treten wir unseren Dienst in Buriram an und morgen muss Pui wieder arbeiten und so können wir Tobi nicht abholen. Wann und wo auch? „Na ja, er wird sich schon melden, ich gehe erst einmal duschen“ und verschwinde im Bad.

Eine Stunde später klingelt es. Es ist Krit, Puis Ehemann. Auch zwischen uns stimmt die Chemie und wir sind uns einig: Wir alle haben einen riesigen Hunger. Wir fahren in die Innenstadt. Dort gibt es einen großen Park, in dem sich die einheimischen Thais gerne nach der Arbeit treffen und gemeinsam essen. Ganz unkompliziert kauft man dort einige Leckereien an Imbissständen. Suppen, Fleisch und Co. wird in kleinen Tüten gereicht und jeder kann von jedem Gericht essen.

Keine Ahnung, wie es weitergeht

Ich bin froh, dass ich fleißig Thai gebüffelt habe, so verstehe ich größtenteils die Unterhaltungen und kann auch ordentlich mitreden. Wir lachen viel und es ist eher wie ein „Nach-Hause-Kommen“ als eine Reise in ein fremdes Land. Ich fühle mich sehr wohl. Tobi sorgt dann wieder für Aufregung. Erneut erreicht uns eine WhatsApp. „Verspätung in Berlin – Anschlussflug in Moskau verpasst – Keine Ahnung, wie es weitergeht“ – Schwupps und schon ist er wieder off. „Kommt er denn nun morgen in Bangkok an?“, fragen die anderen. „Keine Ahnung, er ist off“. „Er wird sich schon melden“, sagt Pui, „lasst uns den Abend genießen. Morgen spreche ich mit meinem Chef, ich werde schon freibekommen.“

Wir folgen Puis liebem Rat und anschließend fallen wir müde auf unsere Decken. Vorher beschließen wir noch, am nächsten Tag zum Tempel Wat Pra Keo zu fahren. „Hoffentlich ist Tobi dann auch schon in Bangkok“, denke ich und höre die anderen drei im Raum gar nicht mehr. So müde bin ich. Satt und zufrieden schlafe ich blitzschnell ein.
Jan-Henrik Seifert (20, Recklinghausen) ist ein alter Bekannter unserer Reihe. Als einer der Ersten berichtete er bei Scenario von seinem Aufenthalt in Laos. Inzwischen studiert er Asien/Afrika-Regionalwissenschaften in Berlin und wird nun wieder bei uns über ein Uni-Projekt in Thailand und seine Rückkehr nach Laos berichten.

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