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Interview mit Gregor Meyle: Die Musik gut unter einen Hut gebracht

Kathi Lenger 07. Juni 2018 11:37

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    Gregor Meyle ist ein Kumpeltyp. Immer gut drauf und fast immer dabei: seine Gitarre.

Brille, Hut und Bart – und oft mit einer Gitarre unterwegs. So kennen viele Gregor Meyle. Gemeinsam mit seiner Band steht der Musiker schon seit Jahren auf der Bühne, reist durch ganz Deutschland und lebt für die Musik. Das wird nicht nur durch seine Konzerte und Alben deutlich. Der 39-Jährige ist zum dritten Mal Pate des bundesweiten Aktionstages „Deutschland macht Musik – Spiel mit!“, der am Samstag, 16. Juni, stattfindet – mit dem Ziel, das aktive Musizieren zu fördern und die Lust zu wecken, selbst Musik zu machen. Was dort seine Aufgabe als Pate ist, wie voll aktuell sein Kalender ist und auf was sich seine Fans in der nächsten Zeit freuen dürfen, erzählt er uns im exklusiven Interview.

Scenario: Viele kennen Dich aus „Sing meinen Song - das Tauschkonzert“ oder von Deiner eigenen Musikshow „Meylensteine“ auf VOX. Doch Du standest schon vorher auf der Bühne. Wie würdest Du Deinen Weg ins Musikbusiness beschreiben?
Gregor Meyle
: Meine Band und ich sind seit Jahren regelmäßig unterwegs. Am Anfang haben wir in kleinen Clubs gespielt, auf Hochzeiten, Geburtstagen und sogar Beerdigungen. Es ist einfach wichtig, dass man spielt, spielt, spielt. Man braucht auch eben etwas Glück, um entdeckt zu werden. Bei uns war es die Show von Stefan Raab SSDSDSSWEMUGABRTLA („Stefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte, und gerne auch bei RTL auftreten darf!“), die für uns das große Sprungbrett war. Dann ging es ein Jahr lang total gut, aber dann ist es wieder etwas abgeflacht. Aber es kam uns nie in den Sinn plötzlich aufzugeben. Wir haben immer weiter gemacht und gesagt, wir ziehen das jetzt durch. Dann haben wir das Auto genommen und geschaut, was es so her gibt und dann sind wir durch die Gegend gefahren und haben gespielt. Entweder haben wir mal was verdient, oder eben nichts. Aber diese Zeit war ganz wichtig für uns und es war eine tolle Erfahrung. Und wir wissen, dass wir das immer wieder machen können. Ich bin sehr dankbar dafür, dass es gerade so gut läuft.

Lieber in kleineren Clubs als in großen Hallen

Scenario: Wie sieht Dein Kalender heute als Singer und Songwriter aus?
Gregor:
Es muss alles unter einem Hut passen: Das ganz normale Familienleben, als Großfamilie mit zwei Brüdern und natürlich mein Job. Man muss sich immer gute Ideen einfallen lassen für neue Musik, Songs und neue Platten, man muss sich dafür auch verschiedene Netzwerke überlegen - mein kleines Team und ich machen alles komplett selber. 80 % meines Jobs ist zu schauen, wie die Leute auf unser Konzert kommen und das wir alle eine schöne Zeit haben. Die restlichen 20 % haben dann was mit Musik zu tun. Uns geht es nicht darum, den besten Erfolg zu haben, sondern den Erfolg langfristig zu halten, denn Erfolg ist relativ. Wir spielen lieber auf kleinen Konzerten, wo wir an den Leuten dran sind als in riesigen Hallen, wo die Fans einfach viel zu weit weg sind.

Scenario: Mit im Kalender: "Deutschland macht Musik - spiel mit!" Du bist einer von fünf Paten des Aktionstages. Wie stolz bist Du darauf, ein Teil davon zu sein?
Gregor:
Sehr stolz! Ich bin schon das dritte Mal dabei und ich finde, dass es einfach eine schöne, wichtige Sache ist, weil die Kleinen in der heutigen Zeit viel zu viel vor dem Display sitzen, das reale Leben kaum noch mitbekommen und schon schlechte Laune haben, wenn der Akku leer ist. Ich denke einfach, dass Instrumente für Kinder sehr wichtig sind. Denn dann haben sie etwas, womit sie spielen und sich immer weiter verbessern können, wenn sie regelmäßig üben. Denn schon die kleinsten Fortschritte motivieren. Ich hatte früher eine Blockflöte und da gab’s noch die 5 Mark-Stückchen von der Oma. Und sobald die Oma dann die Tür aufmachte, habe ich die Blockflöte ausgepackt und um die 5 Mark gespielt. (lacht)
Es ist einfach toll, wenn man schon im frühen Alter ein Instrument spielt und dann einfach sein eigenes Ding draus macht. Musik begeistert so viele Menschen und es macht Spaß neue und auch alte Musik wiederzuentdecken. Man sollte Kindern die Möglichkeit geben, ein Instrument zu spielen. Musik ist grenzenlos und das ist das Tolle daran!

Scenario: Was ist Deine genaue Aufgabe bei "Deutschland macht Musik - spiel mit"?
Gregor:
Ich als Pate unterstütze und motiviere die Kinder damit, dass ich als Musiker meine Geschichte zeige. Dass es eben nicht immer von vorn herein mit der Musik klappt. Denn auch ich habe zehn Jahre vorher als Tontechniker gearbeitet. Mir ist es einfach wichtig, dass sich die Kinder mit einem Instrument beschäftigen, statt mit einem Smartphone. Und das ist die Aufgabe: zu motivieren und beizutragen, dass die Kinder Lust haben, Musik zu machen.

Scenario: Was bedeutet Musik für Dich persönlich?
Gregor:
Ich bin ja eigentlich ein richtiger Musik-Nerd, das kann man nicht anders sagen. Ich höre Musik ganz oft auch analytisch. Selbst im Supermarkt analysiere ich die Musik. Mit Musik habe ich das Glück, dass ich da sehr empathisch ran gehen kann, dass bedeutet, dass ich jede Musik gerne hören kann und keinen bestimmten Stil habe. Musik bringt die Menschen zusammen und das finde ich das Schöne daran. Man steht immer wieder ganz am Anfang und fängt von null an, wenn man einen neuen Song schreiben und aufnehmen möchte. Und danach hat man wieder ein tolles Ergebnis, eine Geschichte, einen neuen Song und ist dankbar dafür. Man hat einfach etwas aus dem Nichts geschaffen und macht andere Menschen mit seiner Musik und mit seinen Songs glücklich. Und das macht uns als Band auch glücklich!

Scenario: Was möchtest Du an die Leute weitergeben, die gerade noch am Anfang ihrer Musikkarriere stehen? Hast Du Tipps oder Ratschläge?
Gregor:
Heutzutage ist es einfacher in Deutschland Musik zu spielen, sei es auf der Straße, in Clubs, bei kleinen Veranstaltungen. Man braucht keine Plattenfirma. Es ist auch heute nicht mehr so, dass das Rausbringen einer neuen Platte gleich zur Berühmtheit führt. CD-Verkäufe gehen zurück, denn heute gibt es Spotify und andere Apps, für die man einmal im Monat zahlt und alles an Musik hören kann. Musik war noch nie so günstig. Deshalb wird alles heute auf die Live-Konzerte umgelegt. Wichtig ist, dass man spielt, spielt, spielt. Überzeugt die Menschen und fragt Euch, woran die Leute Spaß haben könnten! Niemals aufgeben und immer weitermachen, kreativ sein, Möglichkeiten ausnutzen! Auch bei kleinen Veranstaltungen, auf der Straße oder Geburtstagen spielen. Und versuchen auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, nicht ganz zu sehr von sich überzeugt sein!

Scenario: Auf was dürfen sich Deine Fans in nächster Zeit freuen?
Gregor:
Im Oktober, an meinem 40. Geburtstag, wird es ein ganz tolles Album geben, mit dem Titel „Hätt auch anders kommen können“, wo ganz viel Arbeit und Liebe drin steckt. Wir werden tolle Konzerte spielen, nächstes Jahr kommen auch noch ein paar Projekte, die aber noch nicht verraten werden. Aber ich freue mich erst mal total auf das neue Album, auf die neuen Songs, die wir dann auf den Konzerten spielen, zusammen mit meiner tollen Band.
Mehr zu "Deutschland macht Musik - Spiel mit" unter: www.deutschland-macht-musik.eu/aktionstag

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