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Bird Box bei Netflix: Augen zu – und trotzdem hinsehen

Jana Putze 03. Januar 2019 11:01

  • Teaserbild

    Im Endzeit-Horror-Film „Bird Box“ können Augenbinden Leben retten – das weiß auch Malorie (Sandra Bullock, M.), die versucht, ihre Kinder vor dem Bösen zu schützen.

Über diesen Film spricht aktuell fast jeder, der einen Netflix-Zugang hat: „Bird Box“. Der topbesetzte Endzeit-Streifen mit der grandiosen Sandra Bullock in der Hauptrolle fesselt von der ersten bis zur letzten Sekunde – vor allem, weil er ganz anders gruselt als andere seines Genres.

Auf einem Fluss treibt Malorie (Sandra Bullock) mit einem Mädchen und einem Jungen in einem Boot. Alle drei haben verbundene Augen. So kurios startet der Horror-Film, der von da an in Rückblenden erzählt wird: Die schwangere Malorie ist mit ihrer Schwester bei einer Vorsorgeuntersuchung, als plötzlich seltsame Dinge um sie herum passieren. Die Meldung von Massenselbstmorden auf anderen Kontinenten ignoriert die bissige, alleinstehende Schwangere, bis sie sieht, wie sich eine Frau im Wartebereich den Kopf einschlägt.

Schnell flüchtet sie mit ihrer Schwester ins Auto, doch auf der Straße herrscht Chaos. Auf dem Beifahrersitz wird Malorie Zeugin, wie die Welt um sie herum zusammenbricht. Die einen rennen um ihr Leben, die anderen suchen den Tod. Auch Malories fahrende Schwester verändert plötzlich ihr Verhalten und steuert das Auto in den Gegenverkehr. Beide überleben, doch als Malorie wieder zu sich kommt, sieht sie, wie ihre Schwester sich ganz bewusst von einem Lastwagen überfahren lässt.

Die schockierte Schwangere wird von einer Frau in ein Haus gelockt. Mit anderen „Bewohnern“ (unter anderem mit dem großartigen John Malkovich) kommt sie dem „Phänomen“ auf die Spur: Irgendetwas ist da draußen, dass die Menschheit vernichten will. Klar ist nur: Wer hinsieht, wird sterben. „Schließe deine Augen“ – so lautet der Film-Untertitel – ist also der beste Rat an alle, die sich retten wollen…

Der Überlebenskampf von Malorie und ihren Mitstreitern geht tief unter die Haut. Der Zuschauer sitzt sozusagen mit Malorie in einem Boot – auch er weiß nicht, was sich da draußen in der Welt befindet. Monster, Geister oder Zombies – all diese Kreaturen werden nicht explizit dargestellt und gerade dieses Nicht-Zeigen erzeugt Gänsehaut. Zartbesaitete sollten sich einen anderen Film ansehen, blutige und brutale Szenen hat „Bird Box“ (FSK ab 16) trotzdem genug. Wer allerdings wissen will, ob Malorie überleben wird und was es mit dem seltsamen Titel auf sich hat, sollte sich den Zwei-Stunden-Horror ins Wohnzimmer holen.

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