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Plastikmüll-Vermeidung: Wir müssen uns selbst retten

Carolin Schäfer 12. Mai 2017 11:07

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    Plastik im Meer ist ein riesiges Problem. Schildkröten halten Plastiktüten oft fälschlicherweise für Quallen, von denen sie sich unter anderem ernähren. Oft ersticken die Schildkröten an den Tüten oder verhungern mit gefüllten Mägen, weil sich Plastik nicht verdauen lässt.

Umwelt Während Ihr das hier lest, werden unzählige Plastiktüten für etwa 25 Minuten benutzt und danach achtlos weggeschmissen. Ein Großteil davon landet irgendwann als Plastikmüll im Meer und wird dort unendlich lange vor sich hinrotten.

Eine einsame Insel. Sofort erscheint das Bild eines weißen Strandes mit einer Palme, die sich über das türkisblaue Wasser wölbt … Jeder träumt doch davon, einmal an so einem Ort zu sein. Traurig ist nur, dass es dieses Paradies so fast gar nicht mehr gibt. Die Ursache dafür ist der Mensch mit seinem unverhältnismäßigen Plastikverbrauch. Alleine im vergangenen Jahr wurden in Deutschland etwa sechs Milliarden Plastiktüten weggeworfen. Diese Plastikteile erreichen auf ihrer Reise irgendwann das Meer und dann sogar Orte, an denen zuvor noch nicht einmal Menschen waren. Das Bild von der perfekten kleinen Insel mitten im Ozean verwandelt sich in einen Ort, an dem Haufen von Plastikmüll den weißen Strand verdecken und das türkisblaue Wasser von Einkaufstüten und Zigarettenfiltern durchzogen ist.

Wie landet Plastik im Meer?

Doch warum gibt es überhaupt so viel Plastik und wie landet es im Ozean? Ich werfe meinen Müll schließlich nicht ins Meer! Aber wenn man einmal überlegt, sind wir umgeben von Plastik, einem Material, das häufig nur einmal benutzt wird, aber an die 500 Jahre braucht, um in kleinste Einzelteile zu verfallen. Das liegt daran, dass es künstlich hergestellt wird. Vereinfacht erklärt sind die chemischen Verbindungen in Kunststoffen künstlich so verändert, dass Bakterien, die für Zersetzung zuständig sind, diese Verbindungen nicht kennen und die Verlinkungen nicht aufbrechen können. Der Zersetzungsvorgang ist kaum möglich. Trotzdem wird weiterhin Plastik hergestellt, weil es sich super als Verpackung verwenden lässt und günstig in der Produktion ist.

Die Tatsache, dass wir aber auf einem Planeten leben, der auf einem Kreislauf beruht, von dem wir Menschen selbst ein Teil sind, wird dabei verdrängt. Nicht nur Schildkröten und Seevögel fressen Plastik, weil sie es für Nahrung halten, auch die Muscheln und Fische nehmen die gefährlichen Toxine auf. Und die landen dann auf unseren Tellern. Über 10 000 000 Tonnen Plastik landen jedes Jahr im Meer. Einen Großteil können wir dabei mit dem bloßen Auge kaum erkennen: Es handelt sich um Mikroplastik, das häufig getarnt unter dem schicken Begriff „Granulate“ in Kosmetikprodukten zu finden ist.

In Peelings sollen die Plastikstückchen unsere Haut reinigen, in Zahnpasta bleichen sie unsere Zähne und auch in Shampoos und Duschgels kommen sie vor. Die Teilchen sind zu klein für die Filter der Kläranlagen und werden über das Abwasser ins Meer gespült. Auch bei jedem Waschgang von Kleidung aus Polyester werden viele kleine Kunstfasern aus dem Stoff herausgewaschen, die dann in Flüsse und Meere gelangen. Entwicklungsländern haben weniger mit dem Mikroplastik zu kämpfen. Recycling ist als teurer Hightech-Vorgang in einem solchen Land unvorstellbar. Der Müll wird nicht getrennt, meist illegal in Flüssen entsorgt, verbrannt oder auf unversiegelten Müllhalden gelagert.

Es stellt sich nun die Frage, was man gegen das Problem tun kann? Wie wir festgestellt haben, ist Recycling keine Lösung, auf der man sich ausruhen darf. Nicht nur, weil es nicht überall möglich ist zu recyclen, sondern auch, weil oft nur „downcycled“ wird. Das bedeutet, dass das Material meist nur ein einziges Mal minderwertig weiterverwendet werden kann.

Auch auf die kleinen Obsttüten verzichten

Man muss also nicht nur daran arbeiten, das Plastik wiederzuverwenden, sondern dazu beizutragen, dass überhaupt gar nicht erst so viel entsteht. Und da kommen wir ins Spiel. Es gibt so viele Möglichkeiten, auf Plastik zu verzichten. Es fängt bei den besten Beispielen, der Plastiktüte und Plastikflasche, an. Abgesehen davon, dass Plastik gesundheitsschädlich ist und über eine Plastikflasche in unser Trinken, oder über eine Folie in unser Essen gelangt, sollte man mal darüber nachdenken, ob der Apfel oder die Paprika jetzt tatsächlich für eine Viertelstunde beim Einkaufen in einer Tüte eingepackt werden muss.
Die Tüte kostet zwar kein Geld, unsere Umwelt hat aber jahrelang mit dem Problem zu kämpfen. Besser ist es, man überwindet sich, sein Obst in den Einkaufswagen zu legen und dann einmal gründlicher vor dem Essen abzuwaschen.
Jutebeutel oder Papptüten sollte man auch beim Shoppen immer dabei haben, damit man an der Kasse keine Plastiktüte kaufen muss.

Auch Papiertüten mehrmals verwenden

Aber Achtung: Wer die braunen Papiertüten nicht wiederverwendet, schadet der Umwelt ebenfalls enorm: Die Herstellung einer Papptüte ist dreimal so schädlich wie die Produktion einer Plastiktüte. Um herauszufinden, welche Kosmetikprodukte Mikroplastik enthalten, hilft Euch unter anderem die kostenlose App „Codecheck“. Sie verrät nach dem Scannen des Barcodes, welche schädlichen Stoffe sich in den Cremes befinden und in welchen Produkten die gefährlichen Plastikteile vorkommen. Zu jedem Produkt werden ungiftige und umweltfreundliche Alternativen angezeigt.

Wenn man darüber nachdenkt, ist es nicht schwer, die üblichen Wegwerfartikel aus dem Alltag durch nicht-plastikartige Gegenstände zu ersetzen. Vor allem ist es wichtig, damit anzufangen! Wie der Forscher Robert Swan mal gesagt hat: „Die größte Bedrohung für unseren Planeten ist der Glaube, dass jemand anderes ihn retten wird.“

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