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"Roma" begeistert: Perfekt in der Unvollkommenheit

Joshua Poschinski 14. Januar 2019 10:12

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    Sahnte zwei Golden Globes für „Roma“ ab: Regisseur Alfonso Cuarón.

Vor Kurzem hat Alfonso Cuarón zwei Golden Globes als bester Regisseur und für den besten fremdsprachigen Film abgeräumt – für das Schwarz-Weiß-Drama „Roma“, das Ihr auf Netflix bestaunen könnt. Darin bringt der mexikanische Regisseur den Zuschauern seine Heimat zum ersten Mal etwas näher.

Im Einklang mit klar zu erkennenden autobiografischen Begebenheiten des Regisseurs erzählt Roma die Geschichte einer Muchacha – der Bediensteten einer wohlhabenden Familie. Cleo ist ein mit zunehmender Film-Minutenzahl immer stärker werdender Charakter, dem es an Authentizität zu keiner Zeit mangelt.

Anfang der 70er-Jahre lebt Cleo zusammen mit einer anderen Hausangestellten auf dem Grundstück einer sechsköpfigen Familie. Mit nahezu uneingeschränkter Loyalität erledigt sie die ihr zugeteilten Aufgaben im Haushalt oder spielt mit den Kindern. Harmonie herrscht in dem großen Haus mitten in Mexikostadt. Doch wie das wahre Leben es immer wieder vorschreibt, sind die Zustände innerhalb der gut geschützten Wände nicht immer so perfekt, wie es von außen aussehen mag. Und so muss Cleo mit ihren eigenen, persönlichen Problemen kämpfen, während sich das Drama innerhalb der Familie ebenfalls immer weiter zuspitzt – so echt, dass auch das Ende quasi in seiner Unvollkommenheit nahezu perfekt für die von Alfonso Cuarón erzählte Geschichte funktioniert.

Während andere Filme des mexikanischen Regisseurs meist von heldenhaften Erzählungen handelten, hält sich Roma an der Oberfläche etwas zurück. Viele werden mit dem Drama vielleicht überfordert sein und könnten die besonderen Erzählstrukturen und nicht-kommerziellen Kameraführungen als langatmig empfinden. Doch andere werden sich dafür so begeistern wie ich mich. Ich finde Roma mehr als gelungen, grandios sogar. Der Film ist nur eben nicht für jedermann.

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