Recklinghaeuser Zeitung Medienhaus Bauer

Tipps fürs Shoppen: Augen auf beim Kleidungskauf!

Marleen Wiegmann 20. April 2018 11:42

  • Teaserbild

    Lieber wenige Teile im Schrank hängen haben, dafür aber nachhaltig produzierte. Die werden dann – auch dank des guten Gefühls – zu Lieblingsstücken. Das sieht auch Modebloggerin Anuschka Rees so.

Bei Primark, Zara, H&M, Hollister oder Armani – in der konventionellen Mode-produktion ist heutzutage so viel falsch, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.

Unmengen an Wasser werden durch schlechte Bewässerungsanlagen in Asien, Afrika und Teilen Amerikas verschwendet und verdampfen so ungenutzt. Die Monokulturen für Baumwolle zerstören die Böden und die Pestizide schädigen die Umwelt und die Mitarbeiter. In den Fabriken gibt es Niedriglöhne, lange Arbeitstage, erzwungene Überstunden.

Vor einiger Zeit wurden eingenähte Hilferufe von Näherinnen in Kleidern gefunden. Ab und an kommen Schreckensnachrichten in den Medien auf, wenn wieder irgendwo eine Fabrik eingestürzt ist. Dann schreien alle überrascht auf, als ob uns das vorher noch nicht klar war. Nach einer Woche verschwindet die Nachricht einfach so wieder aus dem Bewusstsein der Menschen und das Thema ist gegessen. So, als gäbe es nun keine Arbeiterinnen mehr, die in Bangladesch in baufälligen Gebäuden sitzen und wie Vieh behandelt werden.

Es gibt ein Argument, dass irgendwie immer noch in den Köpfen der Menschen verankert ist. Dass wir den Arbeitern helfen, indem wir Kleidung kaufen, denn sonst verlieren sie ja ihre Jobs. Wenn wir aber faire Arbeitsbedingungen schaffen, müssten die Arbeiter nicht mehr täglich um ihre Existenz bangen. Kunden und Arbeiter würden außerdem von qualitativ höherwertiger Kleidung profitieren, denn, um die zu produzieren, braucht man entsprechend mehr Arbeitsstunden.

Doch die Mehrheit von uns kauft keine qualitativ hochwertige Kleidung und sortiert jedes halbe Jahr aus mit dem guten Gewissen, dass sie ja in den meisten Fällen nichts wegschmeißt, sondern Kleidung in Sammelcontainer wirft – gut für unser Gewissen. Aber das verleitet eben zum Klamotten-Kaufen, Kurz-Tragen und dann In-den-Container-Werfen.

Es gibt aber auch Mode-Marken, die offensiv mit Nachhaltigkeit und sozialen Arbeitsbedingungen werben. Diese Verkaufsargumente ziehen. Nachhaltigkeit leicht gemacht sozusagen. Es braucht jedoch nicht viel Recherche, damit sich herausstellt, dass es bis zur nachhaltigen Landwirtschaft und fairen Arbeitgebern noch ein weiter Weg ist. Es gibt zum Beispiel „Better Cotton“. Die Initiative will durch Schulungen die Verwendung von Pestiziden reduzieren und möchte zum Beispiel Kinder- und Zwangsarbeit verbieten. Doch es gibt viele Lücken und Nischen und bei genauerem Hinsehen wird schnell klar, dass sich da etwas als „nachhaltig“ erklärt, was es eigentlich nicht ist. Grundsätzlich gilt: Alle Marken, die kein FairTrade-, IVN- oder GOTS-Siegel haben, sind im strengen Sinne nicht wirklich nachhaltig oder fair.

Teurer heißt nicht unbedingt besser

Übrigens: Auch teurer heißt nicht immer besser. Qualitativ hochwertig ist die Kleidung der Designer-Marken häufig, aber Designer- und Billigstücke werden oftmals in ein und derselben Fabrik genäht. Wer also mehr ausgeben will und denkt, das bei Designern ruhigen Gewissens tun zu können, irrt sich.

Was könnt Ihr also tun? Ganz einfach. Euer Kaufverhalten ändern, denn es macht einen Unterschied, was Ihr kauft. Wir sind die Kunden! Wir bestimmen das Angebot und die Menge, die produziert wird. Wenn wir die Nachfrage also nicht ändern, warum sollte sich dann irgendetwas verändern? Es heißt also: Grüne Mode mit Siegeln einkaufen oder in Second-Hand-Geschäften shoppen. Ich gebe zu, dass diese Läden nicht gerade vom Himmel fallen und zahlenmäßig den anderen weit unterlegen sind. Es ist aber genauso gut möglich, dort wunderschöne Teile zu finden, wie in jedem anderen Laden auch. In Second-Hand-Läden muss man viel ausprobieren und kombinieren können. Nach nachhaltigen Angeboten kann man die Augen offen halten und auch online nach Alternativen suchen.

Allgemein gilt: Es gibt mehr Angebote, als man zunächst denkt. Und FairTrade und Bio müssen dabei gar nicht so viel teurer sein.
Häufig sind sie es, wenn überhaupt, nur, weil die Unternehmen, die sich dieser Aufgabe verschrieben haben, noch recht klein sind. Dementsprechend schwer ist es für sie, preislich mit den Mega-Konzernen mitzuhalten. Mittlerweile gibt es jedoch auch mehr und mehr größere nachhaltige Produktionsstätten, die dementsprechend billiger produzieren können und trotzdem alle Auflagen der Siegel erfüllen.

Für uns ist es heute so leicht geworden, Teil einer unmenschlichen Maschinerie zu werden. Wir können die Schilder und Zettelchen in unserer Kleidung, auf denen „Made in Bangladesh“ steht, so leicht ignorieren, weil wir das Gefühl haben, nichts damit zu tun zu haben. Immerhin kaufen wir hier doch gerade nur Kleidung in Deutschland, oder?

Doch wir werden Teil der Kette, wenn wir konsumieren, und tragen somit genauso viel Schuld wie alle anderen in der Branche. Wie sagt es der Song von Den Ärzten so schön? „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist. Es wär’ nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.“ Wenn wir ehrlich zu uns sind, dann wissen wir alle, was in diesen Fabriken auf der anderen Seite der Welt vor sich geht. Wir blenden es nur einfach aus. Ich finde, dabei machen wir uns schuldig, denn wir haben die Mittel etwas zu verändern – und tun es trotzdem nicht.

Teilen