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Champions League: Wenn gute Freunde zu Gegnern werden

Frank Leszinski 02. Oktober 2018 04:04

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    Die Gefühle gegenüber seinem alten Arbeitgeber Schalke 04 sind bei Benedikt Höwedes gemischt. Foto: Marijan Murat/Archiv

GELSENKIRCHEN Die Ex-Schalker Benedikt Höwedes und Jefferson Farfan spielen nun für Lokomotive Moskau. Domenico Tedescos brisantes Treffen mit dem einstigen Kult-Kapitän.

Die Gefühlswelt von Benedikt Höwedes wird momentan auf harte Bewährungsproben gestellt, in sportlicher wie in privater Hinsicht. Da ist einerseits das Wiedersehen mit seinem früheren Herzensklub FC Schalke 04 in der Champions League (Mi. 18.55 Uhr, live bei DAZN), wo Höwedes im Trikot von Lokomotive Moskau erstmals in seiner Profi-Karriere gegen die Königsblauen antritt. Und da ist andererseits sein Blick nach Düsseldorf gerichtet, wo seine hochschwangere Frau Lisa das erste Kind erwartet.Vor 14 Monaten schien es undenkbar, dass Höwedes mal als Schalker Gegner auflaufen würde. Fast 17 Jahre hatte er für die Königsblauen gespielt, alle Jugendmannschaften durchlaufen und 335 Bundesligapartien für die Blau-Weißen bestritten. Noch im Trainingslager in Mittersill war der Weltmeister von 2014 fest davon ausgegangen, nicht nur weiter zur Stammelf zu gehören, sondern auch die Kapitänsbinde zu tragen.

Doch das war ein gewaltiger Trugschluss. Der neue Trainer Domenico Tedesco war von den sportlichen Fähigkeiten des 30-Jährigen alles andere als überzeugt. Als Tedesco ihm dann noch die Kapitänsbinde abnahm und den Satz formulierte „Reisende soll man nicht aufhalten“, „flüchtete“ Höwedes zunächst per Ausleihe zu Juventus Turin und im Sommer 2018 zu Lokomotive Moskau.

Mittlerweile haben sich die Wogen längst geglättet, aber Freunde fürs Leben werden Tedesco und Höwedes wohl nicht mehr. Der Ur-Schalker mag ohnehin nicht viel sagen vor dem Wiedersehen mit Schalke. Alle Interviewanfragen wurden abgelehnt, es blieb bei wenigen Sätzen auf Instagram nach der Auslosung der Champions-League-Gruppen. Höwedes: „Gute Freunde kann niemand trennen. Aber es wird merkwürdig sein, wenn ich gegen Schalke spiele“.

In Moskau hat Höwedes mit Jefferson Farfan einen früheren Schalker Vereinskameraden an seiner Seite, der sich ebenfalls viele Verdienste bei den Blau-Weißen erworben hat. Beide wurden mit Schalke 2011 DFB-Pokalsieger. Farfan bewies zuletzt mit Peru im Länderspiel gegen Deutschland, dass er in punkto Dynamik und Schnelligkeit auch mit 33 Jahren keinen Gegner zu fürchten hat.

Im aktuellen Kader der Königsblauen überwiegt die Vorfreude auf das Wiedersehen. „Wir freuen uns alle, Bene wiederzutreffen. Er ist ein super Mensch und ein super Fußballer“, sagte zum Beispiel Alessandro Schöpf. Und auch Sportvorstand Christian Heidel betonte, er freue sich auf das Wiedersehen. „Ich hatte nie ein Problem mit Benni. Im Gegenteil. Er ist ein höchst angenehmer Bursche. Das eine ist das Sportliche, das andere das Menschliche“, sagte Heidel, ergänzte aber schmunzelnd: „Wenn er gegen uns gut spielt, freue ich mich nicht mehr.“

Schalke ist gewarnt, auch wenn Moskau das erste Gruppenspiel mit 0:3 bei Galatasaray Istanbul in den Sand setzte. Heidel: „Ich habe das Spiel gesehen. Das Ergebnis entsprach nicht dem Spielverlauf.“

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