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Was nun, Schalke?: Königsblau gerät immer mehr in den Krisenmodus

Frank Leszinski 27. September 2018 05:08

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    Schalkes Trainer Domenico Tedesco steht an der Seitenlinie.

Gelsenkirchen Als Ralf Fährmann, den Blick starr geradeaus gerichtet, am Dienstagabend um 23.03 Uhr in Freiburg zum Schalker Mannschaftsbus ging, signalisierte allein schon seine Körpersprache, dass er keine Lust auf ein Gespräch mit den wartenden Journalisten hatte.


Was sollte er auch sagen? Dass er beim Freiburger Siegtor gepatzt hatte? Dass er weiterhin an die Qualität des Kaders glaube? Dass Schalke nur im Kollektiv aus dem Schlamassel herauskommt? Alles schon gehört. Fakt ist aber: Wie vor zwei Jahren hat Schalke in der Bundesliga nach fünf Spielen noch keinen Punkt geholt. Wir nennen vier Gründe für die Misere.

Mangelnde Torgefahr: Zwei Treffer aus fünf Partien – keine Mannschaft in der Bundesliga hat weniger erzielt. Christian Heidel, ein Freund von Statistiken, mochte zwar anführen, dass die Tedesco-Elf in Freiburg 21 Torschüsse abgegeben hatte, aber was sagt diese Zahl aus, wenn daraus – bis auf die beiden Pfostenschüsse – keine Torgefahr resultiert? Uth und Co. sind momentan vor dem gegnerischen Tor so gefährlich, wie eine Biene ohne Stachel. Die Entscheidung von Tedesco, den jungen Cedric Teuchert zum ersten Mal in die Startformation zu berufen, wirkte schon ein bisschen wie ein verzweifeltes Experiment, der Offensive trotz prominenter Namen mehr Durchschlagskraft zuzuführen.

Instabiles Personalpuzzle: Trainer Domenico Tedesco hat seine Mannschaft personell in den ersten Partien enorm durcheinandergewirbelt, doch ergebnistechnisch hat das bisher nichts gebracht. Tedesco scheint immer noch auf der Suche nach der idealen Formation zu sein. Die Automatismen innerhalb des Team stimmen noch nicht.

Effektivität hat gefehlt

„Die erste Halbzeit in Freiburg ist eine gute Grundlage“, betonte der 33-Jährige, räumte aber auch gleichzeitig ein: „Bis auf die zwei Pfostenschüsse hat uns die Effektivität vor dem Tor gefehlt“. Trotz der Erfolglosigkeit gibt es bisher nicht die kleinsten Hinweise darauf, dass der Stuhl des Schalker Trainers wackelt. Trotz des miserablen Saisonstarts hat der Deutsch-Italiener immer noch großen Kredit bei der Vereinsführung und seinen Spielern.

Er verspüre „hundertprozentige“ Rückendeckung im Klub. „Mehr kann der Verein mir nicht geben. Den Kredit der letzten Saison möchte ich gar nicht. Es geht um diese Saison,“ so Tedesco.
Fehlende Kreativität: Schalke bleibt mit seiner Spielweise zu leicht ausrechenbar. Den Freiburgern reichte eine Durchschnittsleistung, in dem sie sich teilweise mit zehn Spielern am eigenen Strafraum verbarrikadierten, um drei Punkte zu holen. Nur Amine Harit sorgte für einige Überraschungsmomente im Spiel der Königsblauen. Positiv war in der ersten Halbzeit auch das teilweise gute Zusammenspiel zwischen Hamza Mendyl und Yevhen Konoplyanka, das aber nach dem Seitenwechsel verflachte.

Noch nie in Führung

Fehlendes Spielglück: Wer es sich ganz einfach machen will, findet hier einen Erklärungsansatz. Schalke ist das Glück nicht mehr hold in dieser Saison. In der vergangenen Spielzeit gab es Partien, da gingen die Königsblauen in Führung und konnten ihren Vorsprung verteidigen. Das war in dieser Saison noch nie der Fall.
„Es würde uns schon viel nutzen, wenn wir mal in Führung gehen könnten“, seufzte Christian Heidel in Freiburg, der freimütig zugab: „Mit solch einem Start habe ich nicht gerechnet. Das hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können“, so der Sportvorstand.

Samstag kommt Mainz, der Klub, dem Heidel 24 Jahre als Sportvorstand diente. Für ihn ist es zwar kein außergewöhnliches Spiel mehr, aber dann sollten für Schalke endlich drei Punkte her. Alles andere mag sich kein S04-Fan vorstellen.

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