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Weiter Schlusslicht: Tedesco rotiert, Schalke verliert

26. September 2018 10:03

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    Da ist es passiert: Florian Niederlechner überwindet Schalke-Torwart Ralf Fährmann, Matija Nastasic (r.) kann nicht mehr eingreifen.

Gelsenkirchen Selten hat ein Schalker Trainer die Rotations-Maschine so heftig angeworfen wie Domenico Tedesco vor dem Freiburg-Spiel: Gegenüber der 0:2-Niederlage gegen den FC Bayern München ließ er quasi keinen Stein auf dem anderen. Gebracht hat es aber nichts.

Sechs Mann raus, sechs Neue rein – neben dem verletzten Weston McKennie und Franco Di Santo, der nach seinem Ausraster am vergangenen Samstag genau wie Abdul Rahman Baba gar nicht zum Kader gehörte, Mark Uth, Sebastian Rudy und Alessandro Schöpf erwischte es auch einen Spieler, den vorher wohl niemand als Ersatzmann auf dem Zettel hatte: Auch Abwehrchef Naldo saß nur auf der Bank – der Routinier hatte in der vergangenen Saison keine einzige Bundesliga-Minute verpasst.

Die königsblaue Promi-Bank komplettierten Omar Mascarell und Guido Burgstaller – es war quasi ein Treffen der Hochkaräter. Aber sie saßen halt nur draußen.

Neu in die Anfangs-Formation rotierten Hamza Mendyl, Nabil Bentaleb, Suat Serdar, Amine Harit, Yevhen Konoplyanka und Cedric Teuchert, der damit zum ersten Mal in der Bundesliga von Anfang an spielte.

Fehlenden Mut konnte man Tedesco nach vier Niederlagen in vier Spielen also nicht vorwerfen. Denn eins war klar: Sollte das in die Hose gehen, würde das Tedesco als Aktionismus angelastet und er wäre damit wohl auch erstmals in seiner Schalker Zeit angezählt. Schließlich hatte Tedesco seiner Mannschaft sogar noch nach dem Bayern-Spiel eine positive Entwicklung attestiert. Dass er sie nun nahezu komplett umgekrempelt hatte, sprach im Prinzip dagegen – zumal Tedesco mit der Umstellung von Dreier- auf Viererkette auch eine erhebliche taktische Veränderung vornahm.

Würde Schalke allerdings im fünften Liga-Spiel endlich ein Erfolgserlebnis verbuchen können, hätte er alle Argumente auf seiner Seite.

Und tatsächlich kam Schalke gut ins Spiel. Nach fünf Minuten leuchtete ein „0:1“ auf der Freiburger Anzeigetafel auf, Schalkes Spieler lagen sich in den Armen, die Fans feierten. Zu früh gefreut: Denn Cedric Teuchert stand bei seinem Treffer im Abseits, worüber Schiedsrichter Frank Willenborg vom Video-Assistenten informiert wurde. Eine Minute lang durfte sich Schalke freuen, dann wurde das Tor wieder aberkannt.

Zwei Pfostenschüsse

Unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw und der kompletten Schalker Chefetage (außer Manager Christian Heidel gaben auch Aufsichtsratschef Clemens Tönnies sowie Heidels Vorstandskollegen Peter Petes und Alexander Jobst der Mannschaft Rückendeckung) konnte Schalke die logische Verunsicherung zwar nicht komplett abschütteln, hatte das Spiel insgesamt aber im Griff. Vor allem die flinken Konoplyanka und Harit brachten eine häufig fehlende neue Komponente ins Schalker Spiel: Tempo. „Schalke hat sehr schnelle Leute dabei“, staunte der verletzte Freiburger Mike Frantz in der Halbzeit am Sky-Mikrofon.

Zwei Pfostenschüsse durch Mendyl (41.) und Daniel Caligiuri (45., Freistoß) waren die besten Schalker Gelegenheiten, die insgesamt harmlosen Freiburger versemmelten ihre Chancen durch Florian Niederlechner (25.) und Nils Petersen (35.) fast schon fahrlässig. Auf den bundesweiten Fan-Stimmungsboykott wegen der Kommerzialisierung des Fußballs konnten sie ihre Fehlschüsse nicht schieben – der war nämlich nach 20 Minuten vorbei.

Vorbei war es nach dem Seitenwechsel auch mit der Schalker Herrlichkeit: Einen 17-Meter-Schuss von Christian Günter ließ Ralf Fährmann abprallen, Florian Niederlechner staubte ab zum Freiburger 1:0 (52.) – so leicht wurde es dem SC wohl selten gemacht, ein Tor zu erzielen.

Schalke wehrte sich nach besten Kräften, aber die reichen derzeit nicht aus: Ein Nastasic-Freistoß übers Tor gehörte noch mit zum gefährlichsten, was die Gäste zu bieten hatten. Am Ende war alles wie immer: Der Gegner jubelte, Schalke ging leer aus. Der Minusrekord unter Markus Weinzierl wurde mit der fünften Start-Niederlage in Folge eingestellt. Jetzt wird’s ernst: Auch für Tedesco?
Freiburg: Schwolow - Kübler (18. P. Stenzel), Gulde, Heintz, Günter - Terrazzino (75. J. Gondorf), R. Koch, Höfler, Sallai - Niederlechner (68. Lienhart), Petersen
Schalke: Fährmann - D. Caligiuri, Salif Sané, Nastasic, Mendyl - Embolo (81. Burgstaller), Serdar, N. Bentaleb, Konopljanka (69. Schöpf) - Teuchert (53. Uth), Harit
Tor: 1:0 Niederlechner (52.)
SR: Willenborg (Osnabrück)
Zuschauer: 24.000

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